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Highlight 193
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Ausgabe vom 12. September 2003
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Ansichten der Galileischen Monde
Beim Betrachten der Oberflächen der vier Monde im Bild (mittlere Reihe: Regionale Ausschnitte von mehreren hundert bis tausend Kilometer Größe; untere Reihe: hochauflösende Ansichten von jeweils etwa hundert Kilometern) wird eines jedenfalls umgehend deutlich: Alle Galileischen Monde haben eine ausgesprochen dynamische geologische Geschichte hinter sich. Dabei ist Io der vulkanisch aktivste Körper des Sonnensystems. Europa ist stark geprägt von seiner in jüngster geologischer Vergangenheit geprägten Eiskruste. Ganymed weist eine ähnliche eis-tektonische Vergangenheit auf, nur dass dort die Prozesse schon Milliarden von Jahren zurückliegen, wie auch auf Callisto, dessen stark von Kratern überprägte Eiskruste deutlich macht, dass dieser Mond schon seit etwa vier Milliarden Jahren geologisch inaktiv ist. Galileo Galilei gilt unstrittig als einer der bedeutendsten Universalgelehrten des aufgeklärten Abendlandes - kein Wunder also, dass der Vorname des großen Astronomen aus Padua für eine der umfangreichsten unbemannten Weltraummissionen zur Erkundung unseres Sonnensystems auserkoren wurde: Die Mission Galileo zum Jupiter und seinen Monden, die das Jet Propulsion Laboratory für die NASA durchgeführt hat. Am Sonntag, dem 21. September 2003, wird das Raumschiff kontrolliert und gezielt in die Wolken des größten Planeten des Sonnensystems gelenkt, wobei es dann unwiederbringlich zerstört wird. Galileo viel länger durch, als ursprünglich vorgesehen: Sämtliche Instrumente funktionierten trotz der von Jupiter ausgehenden hohen Strahlendosis um Jahre länger als erwartet, so dass Galileo buchstäblich fast bis zum letzten Tropfen Treibstoff wissenschaftliche Daten aus dem Jupitersystem zur Erde übertragen konnte. Aus Sicht des DLR-Instituts für Planetenforschung war zweifelsohne das Kameraexperiment der bedeutendste Aspekt der Mission; durch die Mitgliedschaft seines vormaligen Direktors Professor Dr. Gerhard Neukum (jetzt Freie Universität Berlin) im "Galileo Imaging Team" kam eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern am DLR in den Genuss, in Deutschland (und sogar Europa) exklusiv an der Auswertung von hochauflösenden Bilddaten insbesondere der vier nach ihrem italienischen Entdecker "Galileischen Monde" benannten Haupttrabanten des Gasriesen mitzuwirken. Von innen nach außen sind dies die Monde Io, Europa, Ganymed und Callisto. Trotz des Umstandes, dass sich die Hauptantenne des Raumschiffes nie ganz öffnen ließ und daher der Datenstrom zur Erde stark eingeschränkt war, konnten die meisten angestrebten Beobachtungsziele an den vier Monden nicht nur erreicht, sondern aufgrund der zweimaligen Verlängerung der Mission sogar über den vorgesehenen Umfang hinaus Daten gesammelt werden. Gegenüber den beiden - in ihrer Zeit nicht minder erfolgreichen - Voyager-Missionen Mitte der 1970er -Jahre war die Bildauflösung von den Oberflächen der vier Monde um ein Zehn- bis Hundertfaches besser, bei manchen Aufnahmen sogar noch detailreicher. Da Galileo aufgrund der gewählten Flugbahn alle Monde mehrfach in unterschiedlicher Distanz passierte, konnten sowohl globale als auch regionale Aufnahmen in verschiedenen Spektralkanälen gelingen. Darüber hinaus wurden bei den in nur wenige hundert Kilometer Höhe erfolgenden Nahvorbeiflügen mit dem Kamerateleskop Details bis zur Größe von zum Teil weniger als hundert Meter Größe erfasst. Eine komplette Auflistung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die mit Hilfe der Galileo-Bilddaten (und der anderen auf dem Orbiter befindlichen Instrumente, sowie einer in die Wolkenhülle des Gasriesen eingetauchten Messsonde) seit der Ankunft am Jupiter im Dezember 1995 gewonnen wurden, ist an dieser Stelle kaum möglich. Mit am faszinierendsten ist für viele die durch Galileo aktuell gewordene These, dass sich unter dem Eispanzer des Mondes Europa durch Einwirkung der Gezeitenkräfte des Jupiter möglicherweise noch eine mehrere hundert Kilometer mächtige Wasserschicht befindet ... die Spekulationen über die Möglichkeit der Entwicklung von Lebensformen nicht nur im inneren Sonnensystem (also auf der Erde und möglicherweise auch dem Mars) gewaltigen Auftrieb gab. Die Galileo-Mission wird vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena im Auftrag der NASA durchgeführt. Wissenschaftler am Institut für Planetenforschung des DLR sind als einzige nicht-amerikanische Gruppe am Kameraexperiment der Mission Galileo beteiligt. Die Auswertung der Daten erfolgt hauptsächlich in der Abteilung Planetengeologie. Von besonderem Interesse ist die geologische Entwicklung und Altersbestimmung, aber auch die geochemische Zusammensetzung der vier großen Jupitermonde. Bilder zu Jupiter und seinen Monden finden im Projekt Galileo und einigen Highlights der Woche. Autor: Ulrich Köhler WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost URL dieser Seite: http://solarsystem.dlr.de/HofW/nr/193/index.shtml |
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