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Einführung

Zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter befindet sich der Asteroidengürtel mit über 6.000 bekannten Asteroiden, die man auch Kleinplaneten nennt. Wie sie in diesem Gürtel verteilt sind, wird von dem Gravitationseinfluss des Riesenplaneten Jupiter bestimmt; in etlichen Zonen des Gürtels findet man so gut wie keine Asteroiden, an anderen Stellen dagegen treten sie zuhauf auf. Denkbar ist, dass auch die beiden kleinen Marsmonde Phobos und Deimos einst dazugehörten, dem Planeten Mars irgendwann zu nahe kamen und von ihm eingefangen wurden.
 
Insgesamt tragen etwa 7000 Asteroiden Eigennamen, die tatsächliche Zahl aller Asteroiden bis zu einem Durchmesser von einem Kilometer ist wahrscheinlich um mehr als eine Größenordnung höher. Einige Asteroiden haben stark exzentrische Bahnen und kreuzen die Mars-, Erd- oder sogar die Merkurbahn (Aten-, Apollo- und Amor-Asteroiden). Sie werden in jüngster Zeit intensiver studiert, um langfristig ihre Kollisionswahrscheinlichkeit und -auswirkungen zu bestimmen.
Im vorigen Jahrhundert gab es bei der Benennung neuer Kleinplaneten bisweilen heftige Kontroversen, wenn es darum ging, nach welchen "höheren", philologischen Prinzipien die Namen vergeben werden sollten. Die Namen der Kleinplaneten spiegeln aber auch die menschlichen Seiten und Beziehungen ihrer Entdecker wider, und so manche Astronomengattin, -tochter und -geliebte wurde hierbei an den Himmel verewigt. 
 
Entdeckt wurde der erste Asteroid in der Neujahrsnacht 1801 von Giuseppe Piazzi (1746-1826), dem damaligen Direktor der Sternwarte Palermo. Bei der Anfertigung einer Himmelskarte bemerkte er ein Objekt, das seit der vorangegangenen Beobachtung seine Position geändert hatte. Der Wandelstern entpuppte sich als ein kleiner Planet, und Piazzi nannte ihn nach der Göttin der Fruchtbarkeit und Schutzheiligen Siziliens Ceres.
Zugleich schloss Ceres jene Lücke, die nach der sogenannten Titius-Bodeschen Regel zwischen Mars und Jupiter auftrat, für die aber bis dahin noch niemand einen Planeten gefunden hatte. Piazzi hatte jedenfalls das Glück, auf Anhieb den mit ca. 1000 km Durchmesser bis heute unangefochten größten Kleinplaneten gefunden zu haben. Der Durchmesser der meisten Asteroiden liegt zwischen 20 und 100 Kilometer.
 
Mit Raumsonden konnten in den letzten Jahren bisher fünf Asteroiden vor Ort inspiziert werden. Im Jahre 1991 und 1993 zog die Raumsonde Galileo auf ihrer Reise zum Jupiter nahe an den beiden Asteroiden Gaspra bzw. Ida/Dactyl vorbei und warf unter verschiedenen Winkeln Blicke auf deren Oberfläche. Was man schon von photometrischen Lichtkurven her wusste, kam nun deutlich zum Vorschein: Asteroiden sind unregelmäßig geformte, rotierende Felsbrocken, die von Kratern übersät sind und sogar kleine Möndchen haben können.
 
Ende Juni 1997 wurde schließlich der Kleinplanet Mathilde von der amerikanischen Raumsonde NEAR auf ihrem Weg zum Kleinplaneten Eros (Nr. 433) besucht, den sie ein Jahr lang umrundet hat. Ferner hat die Saturnraumsonde Cassini auf ihrem Flug durch den Asteroidengürtel am 23. Januar 2000 aus einer Distanz von etwa 2 Millionen km einige, nahezu punktförmige Aufnahmen des Asteroiden Masursky (Nr. 2685) gewonnen, der nach dem Mondforscher und Planetologen Harold Masursky (1923-1990) benannt ist. Somit sind die Asteroiden Gaspra, Ida, Mathilde und Eros bislang die einzigen Körper aus dem Asteroidengürtel, von denen Bilder mit hoher Auflösung existieren. Von einigen erdnahen Kleinplaneten wie z.B. Toutatis und Geographos wurden Radar- und Teleskopbilder gewonnen, auf denen man Oberflächenstrukturen ausmachen kann.
 
Das Studium dieser kleinen Körper ist deshalb von Bedeutung, weil wir aus ihrer Oberflächenmorphologie und Zusammensetzung unter anderem etwas über die Anfangszeit unseres Sonnensystems lernen können.
 

Anmerkung:
Die Titius-Bodesche Regel ist eine einfache, mathematische Reihe, aus der sich recht genau die Abstände der Planeten zur Sonne ergeben. Sie wurde gegen Ende des 18. Jh. aufgestellt von Johann Daniel Titius (1729-96) und Johann Elert Bode (1747-1826).
Eine ähnlich simple Reihe (Venus: kein Mond, Erde: ein Mond, Mars: zwei Monde, Jupiter: vier Monde) führte bereits 150 Jahre vor der Entdeckung der Marsmonde im Jahre 1877 durch Asaph Hall (1829-1907) dazu, dass Jonathan Swift (1667-1745) in seinem Buch "Gullivers Reisen" von zwei Marsmonden sprach.
(Zurück)
 
 

Missionen zu den Asteroiden


Galileo 18. Oktober 1989 Vorbeiflug an 951 Gaspra (Okt. 1991) und 243 Ida (Aug. 1993) auf dem Weg zum Jupiter
NEAR 17. Februar 1996 Vorbeiflug an 253 Mathilde am 27. Juni 1997 auf dem Weg zu 433 Eros
Cassini 15. Oktober 1997 Vorbeiflug an 2685 Masursky (Jan. 2000) auf dem Weg zum Saturn
Deep Space 1 24. Oktober 1998 Test neuer Technologien (Ionentriebwerk) für den Einsatz im Weltraum, Vorbeiflug am Asteroiden Braille und am Kometen Borrelly
Hayabusa
(Muses-C)
9. Mai 2003 Orbiter und Lander zur Probenrückführung von der Oberfläche des Asteroiden 25143 Itokawa.
DAWN 27. Sept. 2007 Orbiter zu 4 Vesta und 1 Ceres
 
© DLR, Regional Planetary Image Facility, Rutherfordstr. 2, D-12489 Berlin 
Redaktion: Susanne Pieth 
WWW-Bearbeiter: Susanne Pieth, Carsten Keller, Susann Lier 
Erstellt: 01.09.1998
Letzte Änderung: 07.06.2017