Zunehmend gewinnen die „Near Earth Asteroids“ (NEAs) an Aufmerksamkeit, nicht nur wegen der Einschlagsgefahr, sondern auch, weil bestimmte NEAs interessante Ziele für astronautische Raumfahrtmissionen darstellen. Die NASA betrachtet den Planeten Mars als ein mögliches langfristiges Ziel. Um notwendige technische Erfahrung mit lang andauernden und anspruchsvollen astronautischen Raumfahrtmissionen zu gewinnen, erachtet die NASA die NEAs als geeignete Sprungbretter auf dem Weg zum Mars. Manche kleine NEAs sind wegen ihrer erdähnlichen Umlaufbahnen relativ leicht zu erreichen. Darüber hinaus kann man wegen der schwachen Gravitation auf der Oberfläche eines NEA gut landen und nach dem Besuch leicht wieder ins All starten, ohne große Vorräte an Treibstoff mitnehmen zu müssen. Solche Missionen könnten nicht nur zum Sammeln raumfahrtbezogener technischer Erfahrung dienen, sondern auch wertvolle wissenschaftliche Daten über die physikalischen Eigenschaften von NEAs liefern.

Asteroid Ryugu, aufgenommen von Hayabusa2 aus 9000 Metern Entfernung. (© JAXA, Univ. of Tokyo, Kochi Univ., Rikkyo Univ., Nagoya Univ., Chiba Institute of Technology, Meiji Univ., Univ. of Aizu, AIST)Asteroid Ryugu, aufgenommen von Hayabusa2 aus 9000 Metern Entfernung. (© JAXA, Univ. of Tokyo, Kochi Univ., Rikkyo Univ., Nagoya Univ., Chiba Institute of Technology, Meiji Univ., Univ. of Aizu, AIST)Einschläge von Asteroiden und Kometen auf Planeten sind ein kontinuierliches natürliches Phänomen, das ihre Oberflächen seit der Entstehung der Planeten geprägt hat. Die Umlaufbahn der Erde wird ständig von Asteroiden gekreuzt. Einschläge von Asteroiden und Kometen haben die Biosphäre der Erde und den Verlauf der Evolution nachhaltig beeinflusst. Heute ist die Einschlagsrate viel geringer als vor vier Milliarden Jahren, als unser Planet noch in seiner Entwicklungsphase war. Allerdings ist der nächste große Impakt auf der Erde nur eine Frage der Zeit. Es ist daher ratsam zu untersuchen, welche Konsequenzen Einschläge von Asteroiden und Kometen für unsere Erde und andere Planeten haben können.

Es gibt immer wieder spekulative Meldungen über Asteroiden, die scheinbar Kurs auf die Erde genommen haben. Aber tatsächlich gibt es kein bis jetzt bekanntes Objekt, das eine unmittelbare Bedrohung für die Erde darstellt. Allerdings haben Astronomen mittels Suchprogrammen bis heute nur einen Bruchteil der gesamten Population der NEAs entdeckt. Es gibt ernsthafte Überlegungen wie man einen bedrohlichen erdnahen Asteroiden mit Hilfe einer Weltraummission ablenken könnte. Die Methoden klingen abenteuerlich, zum Beispiel „kinetischer Impaktor“, „Gravitationstraktor“ oder „Explosionsablenkung“. Sie werden von Weltraumagenturen wie  der NASA, der ESA, und dem DLR untersucht und in Machbarkeitsstudien analysiert. Eine sehr wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Abwehrmission sind Kenntnisse der physikalischen Eigenschaften von NEAs, wie Zusammensetzung, Dichte und innere Struktur. Informationen über NEAs können mittels Teleskopbeobachtungen von der Erde aus oder mit Hilfe von Weltraumsonden gewonnen werden. Die japanische Mission Hayabusa2 – mit umfangreicher deutscher Beteiligung – machte sich im Dezember 2014 auf dem Weg zum erdnahen Asteroiden (162173) Ryugu. Nach der Ankunft im Juni 2018 untersuchte Hayabusa2 den Asteroiden im Detail und setzte den Lander MASCOT ab. Am Ende der Mission nahm die Sonde eine Probe von der Oberfläche und wird diese bis Ende 2020 zurück zur Erde bringen. Seit September 2016 befindet sich die NASA-Mission OSIRIS-REx auf dem Weg zum erdnahen Asteroiden (101955) Bennu. Neben Untersuchungen mit Kameras und Spektrometern vor Ort soll die Sonde auch landen und zwischen 60 Gramm und zwei Kilogramm Material von diesem Asteroiden zur Erde bringen. Die Rückkehr zur Erde ist für September 2023 vorgesehen.

In der Zukunft könnten erdnahe Asteroiden aus einem anderen Grund an Wichtigkeit gewinnen. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass Wasser und Metalle signifikante Bestandteile von Asteroiden sind. Durch eine Spaltung des Wassermoleküls können Wasserstoff und Sauerstoff gewonnen werden, Elemente die als Raketentreibstoff dienen können. Wasser und Sauerstoff sind natürlich auch für astronautische Aktivitäten im Weltall unerlässlich. Asteroiden enthalten Eisen und Nickel, die für den zukünftigen Bau von Strukturen wie Weltraumstationen, benutzt werden könnten. Da ein verhältnismäßig kleiner erdnaher Asteroid im Vergleich zur Erde kaum Schwerkraft hat, könnte es für zukünftige Generationen rentabler werden, gewisse Materialien für Weltraumaktivitäten von NEAs zu gewinnen, anstatt sie von der Erde aus mit teuren Raketenstarts ins All zu befördern. Auch viel wertvollere Metalle, wie beispielsweise Platin, die für unsere moderne Industrie immer wichtiger werden, sind auf erdnahen Asteroiden vorhanden. Im Gegensatz zu Vorkommen auf der Erde, die nur in wenigen, teilweise tiefen, Gruben abgebaut und schwer zu verarbeiten sind, könnten wichtige Metalle aus Mineralen gewonnen werden, die einfach auf der Oberfläche eines erdnahen Asteroiden liegen.