Es ist zwingend, dass bei der Suche nach Leben auf anderen Himmelskörpern zunächst die Nachbarplaneten der Erde ins Visier rücken. Weil es flüssiges Wasser zumindest früher auf dem Mars gegeben haben muss, hat sich die internationale Explorationsinitiative der Raumfahrt betreibenden Nationen und Agenturen die Suche nach außerirdischem Leben auf dem „Roten Planeten“ zur Aufgabe gemacht. Sollte die Suche auf Mars oder andernorts erfolgreich sein, hätte dies enorme Bedeutung über die Planetenforschung, ja über die Naturwissenschaften hinaus! Der Fund würde die Kopernikanischen und Darwinschen Revolutionen vollenden und unsere irdische Existenz in einen größeren Zusammenhang stellen.

Fantasievolle künstlerische Darstellung von möglichen habitablen erdähnlichen Planeten im Universum. (© NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC-Caltech))Fantasievolle künstlerische Darstellung von möglichen habitablen erdähnlichen Planeten im Universum. (© NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC-Caltech))Noch weitreichender als die Suche nach Leben auf dem Mars ist die Suche im äußeren Sonnensystem und die Suche nach einer zweiten Erde in großer, astronomischer Entfernung von unserem Planetensystem. Denn es ist ja nicht auszuschließen, dass es zwischen den Körpern im Inneren unseres Sonnensystems zu einem Austausch von Lebewesen gekommen sein könnte, indem große Asteroideneinschläge Organismen im Inneren von ausgeworfenem Material auf eine Reise durchs All geschickt haben und sich das Leben auf diese Weise verbreitete. Sollte es Leben im äußeren Sonnensystem, zum Beispiel auf den Saturnmonden Enceladus und Titan, dem Jupitermond Europa oder auf fernen Planeten um andere Sterne geben, könnte man mit größerem Recht von einer zweiten Genesis sprechen. Wie aber würden wir Leben in anderen Planetensystemen entdecken? Was ist der kosmische Fingerabdruck eines belebten Planeten? Gibt es die eindeutige Signatur, den „rauchenden Colt“? Die Suche nach eindeutigen chemischen Biosignaturen ist ein aktuelles Feld gegenwärtiger Forschung. Kandidaten hierfür sind Sauerstoff und Ozon, die auf der Erde wesentlich durch Bioaktivität gebildet werden, und Methan, das als Produkt primitiver Lebewesen bekannt ist.

Die Frage nach Leben an anderer Stelle im Universum ist zwar so alt wie die Menschheit. Doch fundierte, naturwissenschaftliche Forschung zu diesem Thema ist im Grunde genommen erst möglich, seit wir mit Raumsonden in der Lage sind, von unserem Heimatplaneten wenigstens zu den Körpern unseres Planetensystems aufzubrechen und zudem mit immer besseren Teleskopen und Spektrometern die Atmosphären von planetaren Körpern innerhalb und außerhalb unseres Sonnensystems charakterisieren können. Dabei entwickelte sich ein völlig neuer Zweig der Weltraumwissenschaften, die Astrobiologie. Die Beantwortung der Frage nach der Existenz von Leben im Universum bleibt zumindest vorerst eine der spannendsten der Wissenschaftsgeschichte.