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Saturns Ringsystem besteht nach klassischer Einteilung aus sieben Ringgruppen. Sie werden mit zunehmendem Abstand zum Planeten mit den Buchstaben D, C, B, A, F, und G bezeichnet. Ein weiterer Ring, der außerhalb des G-Rings gelegene E-Ring, weist einen von den sechs inneren Ringen abweichenden Entstehungsprozess auf, der in Zusammenhang mit der geologischen Aktivität des Mondes Enceladus steht. Die Buchstaben A bis G gehen auf die Reihenfolge der Entdeckung der einzelnen Ringsegmente zurück.

Saturns Ringsystem, aufgenommen von Cassini aus 725.000 Kilometern Entfernung. (© NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute)Saturns Ringsystem, aufgenommen von Cassini aus 725.000 Kilometern Entfernung. (© NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute)Seit dem Vorbeiflug der Voyager-Sonden 1980/1981 ist bekannt, dass Saturn in seiner Äquatorebene, die ähnlich jener der Erde um knapp 27° gegen die Bahnebene geneigt ist, in Wirklichkeit von über tausend Einzelringen umgeben ist. Ihre Form, Dynamik und Entstehung wurden seit 2004 von den Instrumenten auf der Sonde Cassini, insbesondere von den Kameras und Spektrometern, näher untersucht. Die beiden hellsten und auffälligsten Ringe sind der seit dem 17. Jahrhundert bekannte A-Ring sowie der B-Ring. Sie sind 14.800 bzw. 25.500 Kilometer breit. Zwischen beiden befindet sich die Cassinische Teilung mit einer Breite von etwa 4500 Kilometern, die weitere, jedoch wesentlich dunklere Ringe enthält. Innerhalb des B-Rings wurde 1850 der 17.500 Kilometer breite C-Ring (auch „crepe“ oder Kreppring genannt) entdeckt. Bei den Vorbeiflügen von Voyager 1 und 2 konnte der bereits 1967 vermutete innerste Saturnring, der D-Ring mit einer Breite von 8000 Kilometern nachgewiesen werden. Pioneer 11 entdeckte 1979 noch vor den Voyager-Vorbeiflügen an Saturn die beiden äußersten Ringe F und G. Der F-Ring ist nur etwa 50 Kilometer breit, während sich der diffuse G-Ring über eine Breite von circa 7000 Kilometern erstreckt.

Die Größe der Ringeteilchen variiert je nach Ring und liegt überwiegend zwischen Staubkorngröße (wenige Mikrometer) und wenigen Zentimetern. Zusätzlich sind Ringepartikel bis zu mehreren Metern oder Zehnermetern Durchmesser vorhanden. Zu über 90 Prozent ist der spektral nachgewiesene Hauptbestandteil der Ringe Wassereis, zumindest an den Oberflächen der Ringepartikel. Die verbleibenden zehn Prozent bestehen aus Staub aus Silizium- und Kohlenstoffverbindungen. Die Ringe stehen in intensiver Gravitationswechselwirkung mit den ihnen am nächsten gelegenen Monden. Die Ringepartikel werden zudem durch die Schwerkraftwirkung von kleinen, sogenannten Schäfermonden auf ihrer Bahn gehalten.

Die Fragen nach Entstehung und Alter der Ringe sind nicht zufriedenstellend beantwortet. Ihre gesamte Masse entspricht etwa der des 400 Kilometer großen Mondes Mimas. Zum einen könnten die Ringe ein Überbleibsel des Materials sein, aus dem sich Saturn mit seinen Monden vor 4,5 Milliarden Jahren gebildet hat. Eine weitere Erklärung wäre, dass sich an Stelle der Ringe früher ein Mond befand, der von einem Asteroiden oder Kometen getroffen wurde und dabei zerbrach. Weitere Einschläge von Kometen oder Asteroiden und gegenseitige Zusammenstöße zerkleinerten die Eisbrocken nach und nach. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass ein Objekt aus dem Kuipergürtel mit einem Durchmesser von ca. 300 Kilometern so nahe an Saturn vorbeiflog, dass es durch Gezeitenkräfte auseinanderbrach. Die beiden letzteren Ereignisse sind jedoch extrem selten und könnten sich nur in der Frühzeit vor mindestens 4,0 bis 3,8 Milliarden Jahren abgespielt haben, in einer Periode, in der große Einschläge von Kometen und Asteroiden auf den Planeten und ihren Monden erheblich häufiger stattfanden. Im Gegensatz zum angenommenen hohen Alter stehen die dynamischen Prozesse in den Ringen, die eher auf ein Alter hindeuten, das nur wenige zehn bis hundert Millionen Jahre beträgt. Ebenso in der Diskussion ist die Möglichkeit, dass die einzelnen Ringgruppen unterschiedliche Alter aufweisen und zeitlich getrennten Ereignissen entstammen könnten.

Die Ringe reichen vier Planetenradien weit in den Raum hinein. Da ihre Bahnebene gegen die Ekliptik geneigt ist, blickt man von der Erde aus meist schräg von oben oder unten auf die Ringebene, sehr selten auch direkt auf die Kante. Die Dicke des Ringsystems beträgt höchstens einen Kilometer, denn in Kantenstellung verschwindet der Ring selbst beim Blick durch die größten irdischen Teleskope. Das letzte Mal konnte der Planet „ohne Ring“ im August 2009 beobachtet werden, als die Erde die Ringebene des Saturns von Süd nach Nord kreuzte und gleichzeitig Cassini diese ungewöhnliche Beleuchtungssituation zu wichtigen Messungen in der Ringebene nutzen konnte.