Seit Urzeiten hat der Mensch die Sonne als Gottheit, Lebensquell, Quelle des Lichtes und der Kraft verehrt. Alle Kulturen haben ihr in zahllosen Mythen, Gemälden, Gedichten und Gesängen einen besonderen Platz eingeräumt. Nüchtern betrachtet ist die Sonne unser nächster Fixstern in einer Entfernung von rund 150 Millionen Kilometern, die als Astronomische Einheit bezeichnet wird und als Maßstab für Entfernungsangaben im Sonnensystem dient. Die Sonne ist zudem der einzige Stern, dessen Oberfläche wir intensiv im Detail studieren können. Anders als bei fernen Sternen können wir die Wirkung der Sonne auf die uns umgebende Natur unmittelbar erfahren. Sie war und ist letztendlich die entscheidende Energiequelle für die meisten physikalischen und chemischen Vorgänge so- wie nahezu alle biologischen Prozesse im Sonnensystem.

Längliches dunkles Filament, das sich über ein Drittel der Sonne erstreckt. Kombinationen aus drei verschiedenen Wellenlängenbereichen des extremen ultravioletten Lichts. (© NASA/SDO)Längliches dunkles Filament, das sich über ein Drittel der Sonne erstreckt. Kombinationen aus drei verschiedenen Wellenlängenbereichen des extremen ultravioletten Lichts. (© NASA/SDO)Für die Astronomen ist die Sonne ein ganz gewöhnlicher Stern vom Spektraltyp G2 V. Die Sonne ist einer von zwei- bis dreihundert Milliarden Sternen der Milchstraße, einer Balkenspiralgalaxie. In einem äußeren Spiralarm der Milchstraße entstand sie vor etwa 4,6 Milliarden Jahren durch Kontraktion und Verdichtung einer rotierenden Scheibe aus Gas und Staub. Die Sonne ist der zentrale Körper des Sonnensystems und zugleich der uns nächstgelegene Fixstern. Sie hat einen Radius von 109 Erdradien, vereint mit einer Masse von etwa 2 × 1030 Kilogramm über 99,8 Prozent der gesamten Masse des Sonnensystems auf sich, und wird von acht bekannten Planeten sowie zahlreichen kleinen Körpern umlaufen. Über 330.000 Erdkugeln bräuchten wir, um die Sonne aufzuwiegen. Das Schwerefeld, das von dieser gewaltigen Zentralmasse ausgeht, prägt allen Planeten, Asteroiden und Kometen ihre individuell geformten Umlaufbahnen und deren Neigung gegenüber dem Sonnenäquator auf. Bei totalen Sonnenfinsternissen können wir sogar anhand der Vermessung von Sternpositionen die Krümmung des Raumes beobachten, die die Sonne in ihrer Umgebung hervorruft und die von Albert Einstein (1879–1955) bereits 1915 im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt wurde. Dies betrifft die relativistische Lichtablenkung im Gravitationsfeld der Sonne, die doppelt so groß ist wie die Ablenkung nach Masse Isaac Newtons klassischer Gravitationstheorie. Genauso wichtig wie die Masse ist aber auch die chemische Zusammensetzung der Sonne, die zu 73 Prozent aus Wasserstoff, zu 25 Prozent aus Helium und zu zwei Prozent aus schwereren Elementen besteht, was man spektroskopisch nachweisen kann. Joseph von Fraunhofer (1787–1826) beobachtete im Jahr 1814 als erster schwarze Linien im Spektrum des Sonnenlichtes, die sich ein paar Jahrzehnte später durch die Arbeiten von Gustav Robert Kirchhoff (1824–1887) und Robert Wilhelm Bunsen (1811–1899) als die Fingerabdrücke der chemischen Elemente herausstellten. Kurioserweise entdeckte Sir Joseph Norman Lockyer (1836–1920), zugleich Begründer der renommierten Zeitschrift Nature, zuerst im Sonnenspektrum das Element Helium, das folglich nach der Sonne, gr. helios, benannt wurde.