Von der Sonne aus gesehen ist die Venus der zweite Planet und der nächste Planet zur Erde. Der mittlere Bahnabstand der beiden Planeten beträgt nur rund 41 Millionen Kilometer. Nach Sonne und Mond ist die Venus der hellste Himmelskörper, denn aufgrund ihrer Sonnennähe und der stets geschlossenen Wolkendecke ist der Anteil an reflektiertem Sonnenlicht besonders hoch. Bis zu vier Stunden vor Sonnenauf- bzw. nach Sonnenuntergang kann man den Planeten oft schon in der Dämmerung sehr gut beobachten. Deshalb wird die Venus auch gern als Morgen- bzw. Abendstern bezeichnet. Mit einem Durchmesser von 12.100 Kilometern ist der Planet fast genauso groß wie die Erde, tatsächlich hat er sogar die größte Landoberfläche aller Planeten und Monde. Seine Masse beträgt 87 Prozent der Erdmasse.

Computersimulierte globale Ansicht der Venus auf der Grundlage der Radardaten von Magellan (© NASA/JPL)Computersimulierte globale Ansicht der Venus auf der Grundlage der Radardaten von Magellan (© NASA/JPL)

Venus umrundet die Sonne in knapp 225 Tagen in einem durchschnittlichen Abstand von 108 Millionen Kilometern in einem nahezu perfekten Kreis. Aufgrund einer im Vergleich zur Erde extrem langsamen Eigenrotation – die zudem bei der Venus im Gegensatz zu allen anderen Planeten gegenläufig ist, weil der Planet um 177 Grad gekippt ist, also fast einen „Kopfstand“ macht – dauert ein Venustag (von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten) 117 Erdentage. Von allen Planeten hat die Venus die langsamste Eigenrotation. Da die Achse des Planeten fast senkrecht auf der Bahnebene steht, gibt es keine Jahreszeiten. Wie der Mond und der Merkur zeigt die Venus von der Erde aus gesehen Phasen.

Nur selten ist die Venus genau vor der Sonnenscheibe sichtbar. Da die Planeten die Sonne nicht exakt in einer Ebene umrunden, zieht die Venus (wie auch der noch näher an der Sonne gelegene Merkur) nicht bei jeder Opposition – einer Konstellation, in der sich Sonne, Erde und der jeweilige Planet auf einer gedachten Linie befinden – von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorbei. Zwar stehen sich Erde und Venus alle 584 Tage in einer Opposition gegenüber, doch das seltene Ereignis eines Transits vor der Sonne findet für beide Planeten nur in Abständen von acht Jahren, dann nach 121,5 Jahren, dann Fakten wieder in acht Jahren und wieder in 105,5 Jahren statt: Als kleines schwarzes Pünktchen ist die Venus dann mit einem durch eine spezielle Schutzfolie präparierten Teleskop vor der Sonne sichtbar. Die letzten beiden Venus durchgänge fanden am 8. Juni 2004 und 6. Juni 2012 statt. Erst im Jahr 2117 wird dann der nächste Venustransit von der Erde aus zu beobachten sein.