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Seit alters her ziehen Kometen, die plötzlich und unerwartet am Himmel auftauchen, die Menschen in ihren Bann. Um diese faszinierenden leuchtenden Gebilde mit ihrem langen Schweif ranken sich viele Mythen. Als angebliche Unglücksboten erzeugten sie oft Furcht und Schrecken. So wurde das Auftauchen des Kometen Halley im Jahre 1066 für die Niederlage des Heeres von König Harold II. gegen das normannische Aufgebot von Wilhelm, dem Eroberer, beim englischen Ort Hastings verantwortlich gemacht. Der gleiche Komet erzeugte sogar noch bei seiner Wiederkehr im Jahre 1910 in Teilen der Bevölkerung Weltuntergangsstimmung.

Heute wissen wir, dass es sich bei den Kometen um kleine Körper von einigen hundert Metern bis einigen zehn Kilometern Durchmesser handelt. Ihre ursprüngliche Heimat sind die fernen Zonen des Sonnensystems – dort, wo es extrem kalt ist. Im Sonnensystem gibt es zwei bedeutende Kometenreservoirs: Zum einen ist dies die Region der so genannten Transneptunischen Objekte (TNOs), zu denen auch Pluto gezählt wird und die sich in einem Torus außerhalb der Neptunbahn bis zu ungefähr 100 Astronomische Einheiten (AE) aufhalten. Dieser „Schlauch“, der die Neptunbahn umgibt, ist die Quellregion von kurzperiodischen Kometen, die Umlaufzeiten um die Sonne von bis zu 200 Jahren und gegenüber der Ekliptik nur wenig geneigte Bahnen haben. Diese Zone wird auch Kuipergürtel genannt.

Aufgrund ihres großen Abstandes zur Sonne, um die sie sich sehr langsam bewegen, bleiben die Kometen extrem kalt und können dadurch auch flüchtige Bestandteile in Form von Eis lange Zeit konservieren. Zudem erfahren sie kaum Veränderungen durch chemische Reaktionen. Kometen gelten deshalb als wichtige Zeitzeugen der frühen Entwicklung unseres Planetensystems. Ihre Herkunft aus den sonnenfernen Regionen des Kuipergürtels und vor allem der Oortschen Wolke lässt vermuten, dass sie sich seit ihrer Entstehung nur wenig verändert haben. Geringfügige, durch Schwerkrafteinflüsse aus der Milchstraße oder durch vorbeiziehende Sterne verursachte Bahnstörungen können den einen oder anderen Kometen ins innere Sonnensystem lenken. Geraten sie dabei in die Nähe der Sonne, tauen die gefrorenen Bestandteile auf und strömen ins Weltall. Dabei reißen sie Staubpartikel von der Kometenoberfläche mit, die das Sonnenlicht reflektieren und erst dann den Kometen, oder genauer gesagt seine Atmosphäre, die Koma, und schließlich seinen Schweif sichtbar werden lassen.

Die Untersuchung von Kometen erfolgte zunächst ausschließlich mit Teleskopen, mit denen optische Beobachtungen und später auch spektroskopische Messungen durchgeführt werden konnten. Einen großen Sprung nach vorne machte die Kometenforschung im Jahre 1986, als der Halleysche Komet, wie vorausberechnet, wieder im inneren Sonnensystem auftauchte und mehrere Raumsonden gestartet wurden, die bei Vorbeiflügen bzw. Durchflügen des Kometenschweifs neue Erkenntnisse sammelten. Der Halleysche Komet ist wegen seiner regelmäßigen Wiederkehr und seines ausgeprägten Schweifs der bekannteste unter den periodischen Kometen. Die größte Entfernung von der Sonne, das Aphel, erreicht er jenseits der Neptunbahn; sein Perihel, den sonnennächsten Punkt, durchläuft er zwischen Merkur- und Venusbahn – damit gehört er zu den kurzperiodischen Kometen.

Wichtige Fragen blieben jedoch unbeantwortet, wie zum Beispiel die nach der Bedeutung von Kometen für die Entstehung des Planetensystems und sogar des Lebens. Wie sind Kometen entstanden – und wo? Sind Kometen tatsächlich Zeugen der Geburt unseres Sonnensystems und was lernen wir von ihnen? Unklar ist zudem, warum Kometen so unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, eine auffallend heterogene Zusammensetzung haben und man direkt auf ihrer Oberfläche so wenig Eis findet. Man wollte besser verstehen, wann und wie die Aktivität von Kometen einsetzt und abläuft bzw. warum sich diese manchmal drastisch erhöht und warum Kometen so oft auseinanderbrechen.