Zum Inhalt springen Zur Navigation springen
Zeige Navigation

Die Untersuchung von Kometen erfolgte zunächst ausschließlich mit Teleskopen, mit denen optische Beobachtungen und später auch spektroskopische Messungen durchgeführt werden konnten. Einen großen Sprung nach vorne machte die Kometenforschung im Jahre 1986, als der Halleysche Komet, wie vorausberechnet, wieder im inneren Sonnensystem auftauchte und mehrere Raumsonden gestartet wurden, die bei Vorbeiflügen bzw. Durchflügen des Kometenschweifs neue Erkenntnisse sammelten. Der Halleysche Komet ist wegen seiner regelmäßigen Wiederkehr und seines ausgeprägten Schweifs der bekannteste unter den periodischen Kometen. Die größte Entfernung von der Sonne, das Aphel, erreicht er jenseits der Neptunbahn; sein Perihel, den sonnennächsten Punkt, durchläuft er zwischen Merkur- und Venusbahn – damit gehört er zu den kurzperiodischen Kometen.

Kern des Kometen Tempel 1, Ziel des Einschlagsexperiments Deep Impact im Jahre 2005. (© NASA/JPL/UMD)Kern des Kometen Tempel 1, Ziel des Einschlagsexperiments Deep Impact im Jahre 2005. (© NASA/JPL/UMD)Die sowjetischen Sonden Vega 1 und Vega 2 flogen im März 1986 in weniger als 10.000 Kilometern Distanz am Kometenkern von wenigen Kilometern Durchmesser vorbei und übermittelten Fotos und Messdaten. Kurz darauf näherte sich die am 2. Juli 1985 gestartete ESA-Sonde Giotto Halley bis auf 600 Kilometer und lieferte gut aufgelöste Bilder des unförmigen und fast schwarzen Kerns des Kometen, von dem an mehreren Stellen Aktivität in Form von „Jets“ – Gas- und Staubströmen – ausging. In der Koma und dem Gasschweif der Kometen hat man spektroskopisch viele Moleküle nachgewiesen, die auch vom interstellaren Medium her bekannt sind. Das war eine Bestätigung der Annahme, dass Kometen kleine, nicht allzu sehr veränderte Überbleibsel aus der frühesten Zeit des Sonnensystems sind.

Die NASA-Mission Deep Space 1 flog 2001 in nur 2200 Kilometern Abstand am Kometen 19P/Borelly vorbei und testete dabei vorwiegend neue Technik und Instrumente. Zwei echte Wissenschaftsmissionen der NASA folgten einige Jahre später: Die Sonde Deep Impact besuchte 2005 den kurzperiodischen Kometen Tempel 1, der ursprünglich aus dem Kuipergürtel stammt. Wesentliches Element des Weltraumexperiments war der Aufschlag eines 372 Kilogramm schweren Projektils aus Kupfer, das den Kometen mit einer Geschwindigkeit von 37.000 Kilometern pro Stunde traf, dabei Material in den Weltraum schleuderte und einen etwa 100 Meter großen Krater schuf. Das Auswurfmaterial wurde mit den Instrumenten der Sonde und mit Teleskopen auf der Erde untersucht. Damit gelang erstmals eine Analyse von Material, das von einer Kometenoberfläche stammte. Nach Abschluss der Primärmission wurde die Sonde in EPOXI umbenannt und flog im November 2010 in nur 700 Kilometer Entfernung am Kometen 103P/Hartley vorbei, um auch dort Messungen durchzuführen.

Die Raumsonde Stardust passierte 2004 nach knapp fünfjährigem Flug den Kometen Wild 2 in einer Entfernung von 240 Kilometern. Dabei sammelte sie Komamaterial ein, das im Januar 2006 in einer Kapsel an einem Fallschirm zur Erde gebracht wurde. Die Staubproben lieferten neue Erkenntnisse zur Zusammensetzung und Entstehung von Kometen. So wurden im Staub Hochtemperaturminerale gefunden, die bewiesen, dass der Komet auch Bestandteile aus den ursprünglich heißen inneren Zonen des Planetensystems enthält. Die Sonde selbst wurde anschließend unter dem Namen Stardust-NExT auf die Weiterreise zum Kometen Tempel 1 geschickt. Im Februar 2011 passierte sie diesen Kometenkern in 180 Kilometern Abstand und funkte Bilder zur Erde, konnte aber den von Deep Impact erzeugten Krater auf Tempel 1 nicht mehr sicher nachweisen.

In den letzten Jahrzehnten wurde das Wissen um Kometen durch die beschriebenen Weltraummissionen, aber auch durch Beobachtungen mit Teleskopen auf der Erde stark erweitert. Es wurde offensichtlich, dass ein von dem amerikanischen Astronomen Fred Whipple 1950 vorgeschlagenes Modell, nach dem Kometen eine Art „schmutzige Schneebälle“ darstellen, also Körper aus gefrorenen flüchtigen Elementen und Molekülen, die mit kohlenstoffhaltigen Verbindungen vermischt sind, der Wirklichkeit vermutlich nahe kommt. Allerdings wurde auch klar, dass nicht Eis, sondern Staub die dominierende Komponente ist. Ferner wusste man zwar, dass Kometen poröse Körper geringer Dichte sind, doch jede Beobachtung zeigte auch, dass Kometen ganz unterschiedliche Zusammensetzungen haben, das heißt: Einen „Standardkometen“ gibt es nicht.